20.05.2012 | A A A
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Bezirk Wr. Neustadt Land

Fam. Berto trotz Horrorerlebnis auf der Costa Concordia: "Wir machen weiter Kreuzfahrten"

Erfahrene Kreuzfahrturlauber sind die Mitglieder der Ebenfurther Familie Berto. Vor allem Stadtrat Alfred und seine Gattin Gabriele, die Leiterin des Gemeindeamtes ihrer Heimatstadt, haben schon etliche Kreuzfahrten mitgemacht. Sie wollen auch weiterhin auf diese Art von Urlaub nicht verzichten - aber sicher nicht mit Schiffen der Reederei Costa Crociere, der sie die schrecklichsten Stunden ihres Lebens verdanken, nach dem völlig unnötigen Rammen eines Felsens, über ein skandalöses Rettungsmanagement bis hin zu unglaublicher Ignoranz der Verantwortlichen. Nachdem sie alles verloren hatten, was sie nicht am Körper trugen, mit Ausnahme eines Kinderrucksacks für Enkel Bruno und der Handtasche von Tochter Tanja mit ein wenig Bargeld und einer Kreditkarte, werden sie entweder selbst die Reederei klagen oder sich an einer Sammelklage beteiligen.

Statements der Familienmitglieder
Alfred Berto: Ich bin von der Costa-Crew zutiefst enttäuscht. Abgesehen von der erlogenen Durchsage, es sei nur ein elektronisches Gebrechen, war von der Schiffsführung nichts zu hören. Nach dem Unglück habe ich keinen einzigen Offizier mehr gesehen!
Gabriele Berto: Ich bin glücklich, daß wir alle relativ gesund zurückgekommen sind.
Tanja Berto: Die Crew hat uns angelogen und die Reederei i Stich gelassen.

Nach dem Unfall auf der Costa Concordia
Um 21.45 merkten die Passagiere, daß das Schiff irgend etwas gerammt hatte. Gegenstände fielen von den Tischen, in den Kabinen ging das Licht aus. Das Ehepaar Berto lief sofort, spärlich bekleidet, ohne Geld und ohne Pässe zur Tochter Tanja und zum Enkel Bruno . Dort wurden einige Sachen für Bruno in dessen Rucksack gepackt, Tanja schnappte ihre Handtasche und dann liefen sie zum Deck 4, wo die Rettungsboote waren. Während schon etliche Passagiere mit Schwimmwesten herum liefen, ertönte in mehreren Sprachen die Ansage des Kapitäns, alles sei in Ordnung, es handle sich nur um ein elektronisches Gebrechen, während das Schiff schon merkbar Schlagseite hatte!!! Bei den Rettungsbooten mußten sie fast eine Stunde warten, bevor sie diese betreten durften, viel zuviele Passagiere für die kleinen Boote, die völlig überfüllt waren. Da von ihrer Seite kein Land zu sehen war, fürchteten alle, weit von einer Küste entfernt zu sein! Informationen gab es keine! Schließlich wurden die Boote dilettantisch gewassert und bald darauf hatten alle festen Boden unter den Füßen, ohne zu wissen, daß sie auf einer Insel waren.


Auf der Insel Giglio
Erst an Land erfuhr die Familie Berto, daß sie sich auf einer kleinen Insel mit nur drei Ortschaften und insgesamt 12 Hotels befand. Die Inselbewohner waren zwar sehr hilfsbereit aber mit den tausenden Passagieren und der Crew völlig überfordert. Bei 8 Grad Lufttemperatur mußten die meisten Gestrandeten im Freien übernachten und waren froh, wenn ihnen ein freundlicher Inselbewohner wenigstens ein Handtuch zum Zudecken gab! Dabei waren etliche völlig durchnäßt, nachdem sie vom Schiff gesprungen und zumindest einen Teil der Strecke bis zur Insel geschwommen waren. Die Familie Berto hatte Glück und wurde mit etwa 20 anderen Passagieren von "Luigi" in dessen kleines Häuschen aufgenommen, wo die Naßräume benutzt werden konnten. Die Kinder durften sogar in Betten schlafen. Von der Reederei oder der Schiffsführung war nichts zu sehen oder zu hören. Es sprach sich aber herum, daß um 7 Uhr die erste Fähre ablegt.

Wieder an Land
An Land wurden die Passagiere von freundlich lächelnden Polizisten in ein Zelt gelotst, in wärmende Decken eingepackt und gefilmt. Nach einer Registrierung gab es Kekse und für einige Glückliche sogar eine Pizzaschnitte. Nach einer Registrierung mußten sie das Zelt verlassen, wobei ihnen die Decken wieder weggenommen wurden! Nach einer flüchtigen Untersuchung durch einen Arzt und mehrstündiger Wartezeit ging es in Bussen einige Stunden nach Savona, dem Ausgangspunkt der Kreuzfahrt und dem Sitz der Reederei. Nach einer neuen Registrierung und der Versorgung mit einem Notgewand, bestehend aus Jacken (allerdings nur in wenigen Größen) und Pantoffeln wurden die Passagiere entlassen - ohne Infor- mationen oder Hilfe. Die Kosten eines Hotels für die Erschöpften wollten die Vertreter der Reederei nicht übernehmen. Am nächsten Morgen wurde der Familie Berto allerdings im Hotel gesagt, daß die Reederei doch die Hotelrechnung begleichen würde.
Da die Familie Berto mit dem eigenen PKW angereist war, stand einer Heimreise nichts mehr im Wege.
Für Abergläubische: Der Unfall ereignete sich am Freitag, dem 13.!